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Weed in der Flasche

19-04-2015 - Potente Tinkturen und Tropfen aus Cannabis herstellen

Es gibt ja viele Konsumformen, die der Freund des Rauschhanfs sich zunutze macht, um sein Kraut oder Harz möglichst genussvoll zu sich zu nehmen. Insbesondere in der heutigen Zeit, in der aus den USA immer mehr Modeerscheinungen auch auf die deutsche Kifferszene schwappen – wir sprechen vom Dabbing, vom Vaporizing, vom Extrahieren potentester Strains und Haschischsorten. In den letzten Jahren ist aber überdies eine vermeintlich neue Methode der Zubereitung und letztlich auch des Konsums in der Cannabisgemeinde entstanden, mit der wir uns in diesem Artikel befassen wollen: Die Rede ist von der Herstellung und Einnahme von Cannabis-Tinkturen und -Extrakten in Tropfenform. Schauen wir uns einmal an, wie diese hergestellt werden und was ihre größten Vorteile sind.

Tinkturen aus der Cannabispflanze sind altbewährte Mittel, die früher – das heißt: vor dem Aufkommen der Drogenprohibition – in so gut wie jeder Apotheke verfügbar waren. Sie galten, genau wie die heute ebenfalls genauso verbotene Opiumtinktur, sozusagen als Allheilmittel bei den verschiedensten Zipperlein und Krankheiten. Mit Cannabis-Tinktur wurden Blasenprobleme, Hühneraugen, Augenleiden und viele andere Erkrankungen und Symptome behandelt – sogar Suchterkrankungen gehörten dazu. Seit dem Hanfverbot ist die Verwendung dieser Zubereitungen jedoch verständlicherweise enorm zurückgegangen, allein schon, weil das Auge des Gesetzes allzeit hinter Drogenfreunden her ist und die mit der Drogenaffinität einhergehende Kultur „unschädlich“ zu machen versucht. Heutzutage kommen die Tinkturen aber wieder in Mode – ob in Gegenden, in denen Cannabis relegalisiert wurde, oder im Untergrund. Seit einigen Jahren gibt es aus Österreich ein in der Tat innovatives Produkt, dass die im Grunde nicht wasserlöslichen Cannabis-Wirkstoffe in eine lösliche Form überführt. Hula Solution ist der Name des Produkts, das alle aktiven Inhaltsstoffe der Hanfpflanze auszieht und in Tropfenform verfügbar macht. Ein derartiges Unterfangen – also die Lösung von THC, CBD und anderen Substanzen – ist mit Hilfe von Alkohol, Lecithin und anderen Lösungsmitteln möglich. Ein Konkurrenzprodukt des österreichischen Hula Solution ist das von einer Berliner Firma kommende Lecithol, das mit einer ähnlichen Methode arbeitet. Die Cannabis-Wirkstoffe werden aus dem Pflanzenmaterial herausgezogen und in eine wässrige Form überführt. Anschließend kann dieser hoch potente Extrakt getrunken werden. Im Prinzip sind Lösungen wie Hula Solution und Lecithol bereits Tinkturen, aber es ist auch möglich, ohne die Hilfe solcher Produkte eine wirksame und effektive Tinktur herzustellen.

Dazu wollen wir erst einmal einen Blick auf die Definition werfen: Was ist eigentlich eine Tinktur? Das Wort stammt von der Lateinischen Vokabel tinctura ab, was soviel wie „Färben“ bedeutet. Im ursprünglichen Wortsinne ist eine Tinktur also ein (nicht künstlich, sondern natürlich) eingefärbtes Extrakt aus Pflanzen-, Pilz- oder Tiermaterial. Zur Extraktion werden in der Regel entweder Alkohol, Aceton, Wasser, Glyzerin, Spiritus oder auch andere Lösungsmittel sowie Kombinationen von solchen verwendet – zum Beispiel Alkohol und Wasser. Als Ausgangsmaterial  für eine Cannabisextraktion bieten sich alle Pflanzenteile an, in denen Wirkstoffe vorkommen – also Blüten, Blütenabfälle, Blätter, Wurzeln und Stengel. Damit ist es in der Tat nicht nötig, irgendetwas an Pflanzenmaterial wegzuwerfen. Im Gegenteil: Jeder Teil einer Cannabispflanze kann letztlich sinnbringend verwendet werden. Ein besonderer Buchtipp ist in dieser Hinsicht das Werk „Trash to Stash“ vom US-amerikanischen Grow- und Cannabis-Aktivisten Ed Rosenthal. Das Buch beschreibt, wie man als Grower gute und potente Produkte aus Ernteabfällen und Schnittresten herstellen kann, die zum einen dann nicht der Verschwendung anheim fallen und die zum anderen dann nicht mehr aufwendig entsorgt werden müssen. Ein ganzes Kapitel dieses Werks ist den Tinkturen gewidmet – Ed Rosenthal erklärt aufs Genaueste, wie man vorgeht, um aus Blättern, Trimm und Stengelmaterial auch das Letzte herauszuholen. Der Band liegt derzeit nur als englische Originalausgabe vor, in den kommenden Monaten ist aber sehr wahrscheinlich, dass das Buch auch ins Deutsche übersetzt werden wird, möglicherweise erscheint es dann im Schweizer Nachtschatten Verlag.

Apropos Tinkturen in Büchern: In vielen alten Apotheker- und Kräuterbüchern findet der aufmerksame Leser eine Anzahl von Rezepturen zur Herstellung einer medizinischen Hanf-Tinktur. Wir wollen uns exemplarisch zwei dieser Anleitungen ansehen, denn immerhin wurden solche Cannabis-Auszüge in früheren Zeiten offiziell vom Arzt verschrieben und vom Apotheker zubereitet. So wird z. B. im Schweizer Apothekerbuch „Pharmacopoea Helvetica“ von 1893 dargestellt, wie die sogenannte „Indische Hanftinctur – Tinctura Cannabis indicae“ zubereitet wird: Man nehme zwanzig Teile indischen Hanfs (Cannabis indica) und vermische diese mit sechs Teilen Weingeist. Das gleichmäßige Gemisch wird dann „in einen Percolator gebracht und mit Weingeist erschöpft. Das Gewicht des Percolates betrage hundert Teile. Klare, dunkelgrüne Flüssigkeit von eigentümlichem, betäubendem Geruche und schwach bitterem Geschmacke, mit gleichviel Wasser eine milchige Mischung gebend. Vorsichtig aufzubewahren. Dosis max. simpl.: 1 g. Dosis max. pro die: 5 g.“

Die vierte Auflage des selben Buches notiert eine etwas andere Rezeptur: „10 Teile Indischer Hanf werden mit 3 Teilen verdünntem Weingeist gleichmäßig befeuchtet. Mit der nötigen Menge verdünntem Weingeist wird so lange perkoliert, bis 100 Teile Perkolat erreicht sind. Indisch Hanftinktur ist dunkelbraungrün, von eigentümlichem Geruche und schwach bitterem Geschmacke. 2 Volumen der Tinktur sollen mit 1 Volumen Wasser eine trübe Mischung von schmutzig grüner Farbe geben. Der Alkoholgehalt der Indisch Hanftinktur soll 56 bis 60 Gew. Prozent betragen.
Vorsichtig aufzubewahren. Dosis max. simpl. 1,0 g. Dosis max. pro die 3,0 g.“
Im „ Ergänzungsbuch zum Deutschen Arzneibuch“ von 1953 findet sich ebenfalls eine Anleitung zur Herstellung eines Cannabisextrakts und einer entsprechenden Tinktur: Man nehme einen Teil Hanfkraut und zehn Teile Weingeist. Das Pflanzenmaterial sechs Tage lang bei Zimmertemperatur in fünf Teile Weingeist einlegen und häufig schütteln. Im Anschluss auspressen. Den Rückstand wiederum mit fünf Teilen Weingeist drei Tage lang ausziehen. „Beide Auszüge werden vereinigt, nach dem Absetzen filtriert und zu einem dicken Extrakt eingedampft. Indischhanfextrakt ist dunkelgrün, in Wasser unlöslich, löslich in Weingeist und Kollodium.“ Aus dem fertigen Extrakt kann nach dem Apothekerbuch dann eine Tinktur bereitet werden. Man verwendet hierzu 50 Teile Hanfextrakt und 950 Teile Weingeist. „Die Tinktur riecht schwach und hat eine dunkelgrüne Farbe. Maximale Einzeldosis: ein Gramm. Maximale Tagesdosis: drei Gramm. Als Tropfen zur innerlichen Einnahme 0,3 Gramm, also 20 Tropfen.“
Interessant zu sehen, dass im Grunde noch vor Kurzem derartige Rezepte in den Büchern der Pharmazeuten abgedruckt waren. Gerade, weil uns die Politiker ja immer wieder erzählen wollen, dass Cannabis bei uns eine kulturfremde Pflanze ohne Geschichte sei. Nicht nur weit gefehlt, sondern dreist gelogen! Wenn wir also heute einen Cannabis-Extrakt und/oder eine Tinktur herstellen, dann treten wir damit lediglich in die Fußstapfen unserer Vorfahren.

Wie funktioniert es also, einen solchen Extrakt, eine wirksame Cannabis-Tinktur anzusetzen? Werfen wir einen Blick auf das Grundlegende, bevor wir eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Herstellung einer Tinktur nachvollziehen: Wir haben diverse Möglichkeiten, einen Auszug zu bereiten. Es gibt zum Beispiel einen Tinkturansatz, der innerhalb eines einzigen Tages fertiggestellt ist. Allerdings darf man von einem solchen Schnellschuss nicht die maximale Potenz erwarten. Besser sind Produkte, denen wir Zeit zur Reife gewähren, und die über einige Tage (oder sogar Wochen) hinweg ausgezogen werden. Das garantiert, dass auch tatsächlich alle Wirkstoffe in die Lösung übergehen und nicht mit dem am Ende zu vernichtenden Pflanzenmaterial verworfen werden. So viel zur grundsätzlichen Vorgehensweise. Wie stellen wir nun eine Tinktur her, zum Beispiel, wenn wir als Cannabispatienten auf legalem Wege an unser Gras gelangen, oder wenn wir in einer Gegend dieser Welt leben, in der Cannabis (wieder) legal ist? Hier die Anleitung für die Herstellung einer Cannabis-Tinktur auf Basis eines alkoholischen Extrakts, nach der punktgenau gearbeitet werden kann:

Werkzeuge und Zutaten:

 

  • Cannabis (Marijuana oder Haschisch)
  • Hochprozentiger Alkohol, z. B. Schnaps, Wodka, Rum etc.
  • verschließbares Glas (am besten Braunglas)
  • Filter und Stofftuch
  • Trichter
  • Becher oder Schüssel zum Abseihen
  • Medizinalfläschchen bzw. wahlweise Underberg- oder Jägermeisterflaschen oder Ähnliches (ebenfalls aus Braunglas!)

 

Und so geht’s:

Nachdem wir alles zusammengestellt haben, kann es losgehen: Als erstes zerbröseln wir das Cannabis und bringen es in eine Form, wie wir sie auch zum Rauchen zubereiten würden. Es empfiehlt sich nicht, das Cannabis zu einem feinen Pulver zu zermahlen, sondern es lediglich grob zu hacken. Immerhin gehört es im Rahmen der Zubereitung einer Tinktur zu unserer Aufgabe, das Pflanzenmaterial nach Abschluss der Prozedur zu entfernen, und das gestaltet sich bei einem feinen Pulver eher schwierig.
Die zu verwendende Menge an Cannabismaterial richtet sich nach den jeweiligen Anforderungen, denen mit der Tinktur anschließend entsprochen werden soll. Jeder Konsument, ob Patient oder Freizeit-Stoner, kennt seine Dosierung und Empfänglichkeit und sollte diese Werte zur Grundlage nehmen. Dies ist eine sehr individuelle Entscheidung – im Zweifelsfall beginnt der Einsteiger mit einer nur geringen Menge, die dann nach und nach gesteigert oder aber auch verringert werden kann. Eine Standard-Dosierung wären etwa 25 bis 50 Gramm Gras oder entsprechend 10 bis 20 Gramm Haschisch bzw. bis zu 80 Gramm Blätter und Trimm auf je einen halben Liter Tinktur.

Dann breiten wir das Cannabis auf einem Backblech aus, heizen den Ofen auf 100 Grad Celsius vor und aktivieren anschließend das Cannabis für etwa 15 Minuten. Dieser Vorgang nennt sich in der Fachsprache Decarboxylierung, was nichts anderes heißt, als dass das Cannabis mit Sauerstoff und Wärme reagiert, woraufhin sich die im Gras und Hasch enthaltene THC-Säure in das psychoaktive THC und die enthaltene CBD-Säure in das aktive CBD umwandelt. Merke: Die Säureformen von Cannabinoiden sind stets inaktiv und sollten vor der Verwendung mittels Hitzereaktion aktiviert werden. Dies ist besonders für die Verwendung als Tinktur von Vorteil, um möglichst viele Wirkstoffe im Material auszureizen, es gibt aber auch einige Cannabisraucher, die ihr Weed oder Hasch grundsätzlich im Ofen aktivieren, um es noch potenter zu machen. Eine gute Idee!

Das nun aktivierte Material füllen wir jetzt in ein verschließbares und am besten braunes Glas (damit die Wirkstoffe vor dem hellen Sonnenlicht geschützt werden und sich damit länger halten), das anschließend mit dem Alkohol aufgefüllt wird. Exemplarischer Wert seien hier die 500 Milliliter. Wir schließen das Glas kräftig und dicht und schütteln das Ganze gut durch. Danach stellen wir es in den Kühlschrank. Jetzt heißt es, geduldig zu sein, denn nun müssen wir eine Woche lang warten. Das Glas sollte jeden Tag mindestens zwei bis dreimal kräftig durchgeschüttelt werden und dann wieder in die Kühlung kommen. Nach sieben Tagen holen wir es heraus und filtern das im Glas vorhandene Pflanzenmaterial gewissenhaft ab. Es empfiehlt sich die Verwendung eines feinmaschigen Filters, z. B. eines Kaffeefilters, unter dem zur Sicherheit noch ein Stofftuch zur Anwendung kommt, damit die fertige Flüssigkeit im Idealfall keinerlei Pflanzenreste mehr enthält.
Wenn alles gut gefiltert wurde, können wir unsere Tinktur in kleine Medizinalfläschchen oder ähnliche Behältnisse abfüllen. Geeignet sind zum Beispiel Flaschen mit Pipette, die man entweder im Haushalt findet oder aber in der Apotheke oder im Internet erwerben kann. Ebenso nützlich sind die kleinen Alk-Fläschchen, die man an der Supermarktkasse erhält: Jägermeister, Underberg oder ähnliche Produkte sind unauffällig und kommen als Braunglasflaschen daher – sind also bestens geeignet, um darin unsere Tinktur aufzubewahren.

Herzlichen Glückwunsch, wir haben unsere erste Cannabis-Tinktur hergestellt, die – je nach Dosierung – in der Tat hoch potent sein sollte. Daher muss man seine ersten Versuche damit eher vorsichtig gestalten und sollte sich nicht hinreißen lassen, einen kräftigen Schluck davon zu nehmen. Auch wird der Konsument dieser Tinktur feststellen, dass man kaum eine Alkoholwirkung dieses Gebräus verspürt. Trinkt man von der Tinktur jedoch zu viel, so wird sich auch der Alkohol bemerkbar machen – meist auf unschöne Weise.

Die Vorteile einer Cannabis-Tinktur in der Übersicht:

Schauen wir uns zum guten Schluss noch an, welche Vorteile eine Cannabis-Tinktur mit sich bringt. Eine solche Zubereitung kann dem einen oder anderen nämlich den Alltag ein wenig erleichtern:

  • Tinkturen sind eine besonders unauffällige Form von Cannabismedizin, da sie in Medizinalfläschchen abgefüllt werden und aussehen wie Hustentropfen oder Ähnliches.
  • Tinkturen sind eine besonders unauffällige Form von Cannabismedizin, da sie in Medizinalfläschchen abgefüllt werden und aussehen wie Hustentropfen oder Ähnliches.
  • Cannabis-Tinkturen riechen nicht bzw. verströmen nicht den typischen Gras- oder Haschduft.
  • Die Zubereitung eines Utensils zum Rauchen oder Verdampfen entfällt.
  • Cannabis-Tinkturen sind gut zu dosieren und schnell eingenommen. Die Flüssigkeit kann entweder pur in Tropfenform oder als Beigabe zu einem Getränk konsumiert werden.
  • Tinkturen lassen sich gut lagern (dunkel und kühl = im Kühlschrank) und sind damit lange haltbar.

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