Könnte aus Hanf gefertigtes Plastik die Welt verändern?


Könnte aus Hanf gefertigtes Plastik die Welt verändern?

Hanf hat viele innovative Anwendungsmöglichkeiten, die als umweltfreundliche Alternativen zu herkömmlichen Materialien wie Plastik und Papier dienen könnten. Vor dem Verbot in den USA war Hanf eine florierende Industrie, die alles von Wasserflaschen bis hin zu Autoteilen herstellte.

Tatsächlich war Hanf eine der ersten Pflanzen in der Geschichte, die kultiviert wurde. Die ältesten Cannabis-Reliquien sind über 8000 Jahre alt.

Auch wenn Hanf eine Sorte der Cannabis-sativa-Pflanze ist, hat er fast nichts mit dem traditionellen, THC-haltigen Marihuana zu tun, das den meisten Leuten dabei in den Sinn kommt.

Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung, besitzt industrielles Hanf so gut wie kein THC (0,3% oder weniger) und kann seine Nutzer auch nicht high machen. Hanfpflanzen sind überwiegend männlich, was bedeutet, dass sie keine Blüten produzieren.

WAS IST HANFPLASTIK?

Hanfplastik ist biologisch abbaubar - und sehr erschwinglich - anders als herkömmliches, auf Öl basierendes Plastik. Seit fast zwei Jahrzehnten wird Hanfplastik hergestellt und in Europa und China verwendet. Allerdings wird es im Rest der Welt schon viel länger hergestellt.

Vor dem Marihuana-Steuergesetz von 1937 war Hanfplastik eine wachsende Industrie und selbst nachdem es verboten war, wurden Hanfplastikprodukte bis Mitte der 1940er-Jahre hergestellt.

WOFÜR WIRD HANFPLASTIK VERWENDET?

WOFÜR WIRD HANFPLASTIK VERWENDET?

Eine der erwähnenswertesten Anwendungsbereiche von Hanfplastik war Henry Fords Hanf-Automobil aus dem Jahr 1941. Wenn jetzt jemand direkt an Cheech und Chongs Van denkt, ist er bestimmt nicht alleine.

Auch wenn Fords Auto nicht wirklich aus Weed gefertigt wurde, war er dennoch ein Visionär. Er hat nicht nur ein komplettes Fahrzeug aus Hanf und anderen organischen Materialien gebaut, die Fahrzeuge waren auch imstande zehnmal stärkeren Stößen standzuhalten als herkömmliche Stahlautos. Außerdem waren sie auch mehr als 450kg leichter.

Obwohl Pläne für einen zweiten Prototyp gescheitert sind, treten heute große Automobilhersteller wie Mercedes, Chrysler, BMW, Volkswagen, Audi und auch Ford in die Fußstapfen Henrys und integrieren Hanfplastik in ihre neuen Fahrzeugmodelle.

Andere häufige Anwendungen für Hanfplastik umfassen Elektronik, Behältnisse, Spielzeug, Kosmetika, Flaschen, Taschen, Boote und Möbel.

WIE WIRD HANFPLASTIK HERGESTELLT?

Die Zellulose (C6H10O5) ist ein primärer Teil der Zellwände von Pflanzen und das am reichlichsten vorhandene organische Polymer auf dem Planeten. Zellulose wird normalerweise verwendet, um Papier herzustellen. Sie kann aber auch zur Herstellung einer Vielzahl von Kunststoffprodukten verwendet werden. Hanfzellulose wird aus der Pflanze extrahiert und zur Herstellung verschiedener Kunststoffe verwendet: Zum Beispiel für Cellophan, Viskose und Zelluloid. Hanf ist eine großartige Quelle für Zellulose, da Hanf etwa zu 65-70% aus Zellulose besteht.

WARUM IST ES EINE BESSERE ALTERNATIVE?

WARUM IST ES EINE BESSERE ALTERNATIVE?

Trotz des ungerechtfertigten Verbots von Hanf durch das Marihuana-Steuergesetz von 1937, wurde es vor kurzem wieder als eine enorm nützliche Pflanze entdeckt, und das völlig zu Recht.

Eines der größten Vorteile der Nutzung von Hanf ist, dass es eine erneuerbare Energiequelle ist. Außerdem sind die daraus gefertigten Produkte biologisch abbaubar. Sobald der Hanfsamen gepflanzt ist, hat er eine positive Wirkung auf den Boden um sich herum. Seine tiefen Wurzeln helfen dabei, Bodenerosion vorzubeugen und so wird die Wasserverschmutzung reduziert. Außerdem wächst Hanf sehr mühelos und benötigt nur eine geringe Menge an Dünger, sowie keine Herbizide oder Pestizide. Wenn weniger solcher Produkte verwendet werden, würde das eine geringere Wasserverschmutzung mit sich bringen.

Wenn es dann zu Plastik verarbeitet wird, profitiert die Erde weiterhin von der biologischen Abbaubarkeit von Hanf. In der richtigen Umgebung können Hanfplastikprodukte innerhalb von sechs Monaten vollständig abgebaut werden. Bei einer herkömmlichen Plastikflasche kann dies bis zu 450 Jahre dauern. Sogar während des Zersetzungsprozesses können den normalen Plastikprodukten schädliche Chemikalien entweichen, beispielsweise BPA.

Bisphenol A (BPA) ist ein endokriner Disruptor, der mit einer Vielzahl von kardiovaskulären Problemen, Krebs, Diabetes, einem geschwächten Immunsystem und vielen anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht wurde. In den Vereinigten Staaten wurden 93% der Erwachsenen über sechs Jahren positiv auf BPA getestet. Endokrine Disruptoren ahmen die Wirkungen von Östrogen im menschlichen Körper nach. Ist die Anzahl der Hormone zu hoch, fördert Östrogen das Wachstum von Tumoren.

Hanf ist auch wirtschaftlich vorteilhaft. Anders als andere Pflanzen, die hauptsächlich nur in bestimmten geographischen Gebieten wachsen, kann Hanf wirklich überall in den USA wachsen. Darüber hinaus ist das Produktionspotenzial von Hanf bei weitem höher als bei anderen Pflanzen in den Vereinigten Staaten. So gibt zum Beispiel das US Department of Agriculture an: "Ein Hektar Hanf kann vier Mal mehr Papier produzieren als ein Hektar Bäume." Gleiches gilt für Hanfplastik, Hanfbeton und andere Hanfprodukte.

WARUM IST HANF IN SO VIELEN LÄNDERN ILLEGAL?

Während der frühen Jahre nach der Unabhängigkeit der USA war die Hanfproduktion eine legale und florierende Industrie. Es ist für die meisten Menschen verblüffend, dass diese Pflanze, die keine Pestizide benötigt, sehr wenig Aufwand erfordert und praktisch überall angebaut werden kann, nicht als die Cash Crop gilt, die sie offensichtlich ist.

Nicht nur wird Hanf zu wenig genutzt, seine Produktion ist in den USA in den meisten Fällen nach wie vor illegal. Es gibt keine klar definierte Antwort, warum das so ist, aber es gibt viele Spekulationen, die in Richtung der Familie DuPont und ihres Papierimperiums weisen. Sie könnten als die Verantwortlichen für das Marihuana-Steuergesetz von 1937 gelten.

IST HANFPLASTIK DIE ZUKUNFT?

Hanf gewinnt wieder an Dynamik und hat in den letzten Jahren eine Art Revival erlebt.

Am 7. Februar 2014 unterzeichnete der damalige Präsident Barack Obama das Landwirtschaftsgesetz von 2014 (auch bekannt als Farm Bill), das den Abschnitt 7606 mit dem Titel "Legitimität der industriellen Hanfforschung" enthält. Dank dieses Gesetzes können Hochschulen und staatliche Landwirtschaftsbehörden Industriehanf anbauen und erforschen. Die Hanfproduktion ist ebenfalls legal und floriert in insgesamt 23 Ländern, darunter sind europäische, Australien, Kanada, China und viele andere. Hoffentlich folgen die Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren.

Hanf hat sich in vielerlei Hinsicht als das bessere Material für Plastik erwiesen und mit der Unterstützung durch Bauern, Aktivisten, (grün denkenden) Verbrauchern und sogar Unternehmen und Politikern könnte sich bald wirklich etwas ändern.