Leitfaden für Low Stress Training (LST-Technik) bei Cannabispflanzen


Leitfaden für Low Stress Training (LST-Technik) bei Cannabispflanzen

"Low Stress Training" ist eine relativ einfache Technik, bei der Stiele und Äste gebogen und mit einem Seil/einer Schnur fixiert werden, um einer Pflanze "beizubringen" in einer bestimmten Form wachsen soll. Dieser Vorgang wird oft als "LST-Technik" oder nur "LST" bezeichnet.

Cannabispflanzen benötigen viel Licht, um großartige Blüten zu entwickeln. Leider bekommen die unteren Teile der Pflanze von Natur aus weniger Licht als auf die oberen ab, weshalb die unteren Zweige auch kleinere, weniger potente Blüten produzieren.

Low Stress Training ist eine großartige Möglichkeit, die Blattoberfläche Deiner Pflanze zu vergrößern, so dass alle Teile dieselbe Menge an Licht erhalten und bis zur Erntezeit größere, bessere Blüten produzieren.

WAS IST LOW STRESS TRAINING?

Wie der Name schon vermuten lässt, konzentrieren sich LST-Techniken darauf eine Pflanze so wenig wie möglich zu stressen, um die Zeit zu minimieren, die die Pflanze benötigt, um sich vom Training wieder zu erholen.

Wie bei anderen Trainingstechniken auch, konzentriert sich LST darauf Pflanzen so wachsen zu lassen, dass das Sonnenlicht oder das Licht der Wachstumslampe das Blattwerk der gesamten Pflanze so gleichmäßig wie möglich trifft. Wenn Cannabispflanzen auf natürliche Weise wachsen, erhalten die unteren Blätter und Zweige normalerweise deutlich weniger Licht, als die Äste weiter oben.

Low Stress Training kann Dir dabei helfen, ein gleichmäßigeres Blätterdach zu erschaffen und sicherzustellen, dass alle Teile Deiner Pflanze so viel Licht wie möglich abbekommen. Im Gegenzug wirst Du mit einem größeren Ertrag höherwertiger Blüten belohnt.

WARUM DU BEI DEINEN PFLANZEN LST ANWENDEN SOLLTEST

Wenn alle Äste gleichmäßig viel Licht erhalten, können Pflanzen mehr Auxine (natürliche Wachstumshormone) produzieren. Die höchste Konzentration an Auxinen ist an der Pflanzenspitze zu finden. Aus diesem Grund produziert die Pflanze im unteren Bereich kleinere und leichtere Knospen.

Bei ungestörten Pflanzen sind sie für die sogenannte apikale Dominanz verantwortlich, so dass die oberste Blütenknolle am größten und die Entwicklung der Seitenäste eingebremst wird. Wenn dieser natürliche Prozess durch Topping oder LST unterbrochen wird, bekommen die Pflanzen das Signal mehr Seitenäste zu entwickeln.

Natürlich gibt es viele andere Möglichkeiten, um Cannabispflanzen so zu trainieren, dass sie auf eine bestimmte Art und Weise wachsen. Durch Techniken wie Topping beispielsweise werden Deine Pflanzen stark gestresst und benötigen dementsprechend Zeit, um sich wieder zu erholen. Topping ist aus diesem Grund als High Stress Training (HST) bekannt.

MASSIEREN DER STIELE UND ÄSTE

MASSIEREN DER STIELE UND ÄSTE

Eine Möglichkeit, Deine Pflanzen vor dem eigentlichen LST "aufzuwärmen", ist eine Technik, die als Massieren der Stiele und Äste bekannt ist. Einige Züchter verbringen täglich zusätzliche Minuten, um junge und neu entwickelte Zweige zu "massieren", um sie dadurch stärker und robuster zu machen.

Gewöhnlich wird der Stiel/Zweig hierbei für einige Sekunden zwischen den Fingern leicht gedreht und verbogen. Diese kleinen Bewegungen verursachen Mikrobrüche im Pflanzengewebe, die in gewisser Weise gesundes Wachstum und Robustheit der Pflanzen fördern. Sie ähneln Mikrobeschädigungen, die durch Windböen hervorgerufen werden können, die im Innenbereich nicht vorkommen.

Massierte Pflanzen sollen dickere Stiele und stärkere Seitenäste entwickeln, so dass sie in Zukunft größere und schwere Blüten tragen können.

LOW STRESS TRAINING-TIPPS

Es gibt viele verschiedene Low Stress Training-Techniken und die meisten Züchter haben ihren eigenen einzigartigen Ansatz. Im Folgenden haben wir eine grundlegende Schritt-für-Schritt-Übersicht für Dich erstellt, um Dir den Einstieg in LST etwas zu erleichtern. Fühle Dich frei diesen Ansatz so zu verwenden, wie er ist oder ändere ihn nach Deinen eigenen Vorlieben.

Hinweise: Um Pflanzen trainieren zu können, sollten diese bereits mindestens 4 oder 5 Nodien (Knoten) entwickelt haben. Pflanzen, die kleiner sind, haben wahrscheinlich noch zu verletzliche Wurzelsysteme und könnten ausreißen, sobald Du versuchst sie zu biegen und zu trainieren.

Stelle außerdem sicher, dass die Pflanzen, die Du trainieren möchtest, auch nicht zu alt sind. Ältere Pflanzen neigen zu harten, holzigen Zweigen, die weniger flexibel und anfälliger sind zu brechen.

Wenn Du eine Pflanze trainierst, musst Du sie mit einer Schnur oder einem Nylonband befestigen. Vergewissere Dich also bereits vor Beginn, dass die Schnüre an Ort und Stelle befestigt werden können. Eine gute Idee ist, kleine Löcher direkt unter dem Topfrand zu machen, durch die Du die Schnur fädeln kannst, nachdem Du sie an den Ästen befestigt hast.

  1. Der Hauptstamm ist der erste Teil Deiner Pflanze, den Du trainieren solltest. Du solltest in der Lage sein, den Stamm mit 2 Schnüren zu fixieren: Eine davon sollte etwa 3–5cm von der Oberseite und eine weitere etwa 3–5cm von der Unterseite der Pflanze befestigt werden.
  2. Beginne am oberen Ende des Stammes und biege ihn nach unten, damit er nicht mehr der höchste Punkt Deiner Pflanze ist. Wenn Du die Spitze der Pflanze so weit gebogen hast, wie kannst/willst, befestige sie mit einem Stück Schnur oder Nylon. Führe nun die Schnur durch das Loch im Topf, das Du zuvor gemacht hast, ziehe die Schnur nach oben und um den Ast herum und dann wieder zurück zum Rand des Topfes. Stelle dabei sicher, dass Du die Schnur festbindest, damit der Zweig auch festgehalten wird.
  3. Nun, da Du den oberen Teil des Stammes festgebunden hast, machst Du dasselbe am unteren Ende des Stammes auch. Beachte, dass sich die höheren, dünneren Teile des Stammes leichter als die unteren biegen lassen. Sei daher besonders vorsichtig, um einen Bruch des Stammes während dieses Schritts zu vermeiden. Wenn Du den Stamm so weit wie möglich nach unten gebogen hast, befestige ihn mit einer Schnur oder einem Nylonband genauso wie oben beschrieben.
  4. Nun ist es an der Zeit sich mit den anderen Ästen Deiner Pflanze zu beschäftigen. Beginne dabei mit den oberen Ästen. Du biegst sie genauso hinunter wie Du es schon mit dem Stamm gemacht hast, aber auch nach außen hin. Dadurch wird sichergestellt, dass die oberen Äste und Blätter der Pflanze ausreichend Licht für die darunter liegenden durchlassen. Wenn Du einen Ast gebogen hast, sichere ihn mit Deiner Schnur.
  5. Arbeite Dich den Stamm von oben bis unten hinab, bis alle Äste nach unten gebogen sind. Sobald Du fertig bist, solltest Du Deine Pflanze wieder unter ihre Lichtquelle stellen, um zu prüfen, ob das Licht gleichmäßig verteilt ist.

Hinweis: Wenn Du ein Seil oder eine Schnur um den Stamm oder die Äste Deiner Pflanzen bindest, sollten diese immer locker sein. Für die Entwicklung von neuem Gewebe muss etwas Platz zwischen Schnur und Pflanze gelassen werden. Wenn die Schleife zu eng ist, erstickt der Zweig.

KANN ICH LOW STRESS TRAINING BEI JEDER CANNABISSORTE ANWENDEN?

Ja, jede Sorte kann mit der oben genannten LST-Technik trainiert werden. Wenn Du Indica-Sorten verwendest, wirst Du feststellen, dass LST eine gute Möglichkeit ist, die unteren Teile der Pflanze förmlich zum Leuchten zu bringen, da sie am Ende der vegetativen Phase in der Regel wenig bis gar kein Licht bekommen.

Falls Du jedoch Sativas anbauen solltest, kann LST eine gute Möglichkeit sein, die Höhe Deiner Pflanzen besser zu kontrollieren. Vor allem dann, wenn Du eine Sorte kultivierst, von der man weiß, dass sie sich enorm strecken kann. Auch autoflowering Sorten der nächsten Generation reagieren großartig auf LST.