Medizinisches Marihuana und die Behandlung von Fibromyalgie

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Cannabis erhält viel Aufmerksamkeit als eine wirksame Behandlungsmethode bei Schmerzen, Schlafstörungen, Übelkeit und vielen anderen Symptomen der Fibromyalgie. Gehört Cannabis die Zukunft in der Behandlung dieser Krankheit?

Fibromyalgie ist eine Krankheit, die durch weit verbreitete Schmerzen und eine Reihe anderer schwächender Symptome charakterisiert ist, die eine erhebliche Beeinträchtigung einer normalen Lebensführung des Patienten darstellen und zu ernsten mentalen Gesundheitsstörungen wie Depressionen und Angstzuständen führen können.

Momentan sind um die 10 Millionen Menschen in den USA davon betroffen und geschätzte 3-6% der Weltbevölkerung. Sie ist somit eine der häufigsten Erkrankungen mit chronischen Schmerzen überhaupt.

FIBROMYALGIE VERSTEHEN

Fibromyalgie ist eine Langzeiterkrankung, die durch ausgedehnte muskuloskeletale Schmerzen, sowie Erschöpfung und Schlaf-, Gedächtnis- und Stimmungsprobleme charakterisiert ist.

Eine lange Zeit wurde Fibromyalgiepatienten erklärt, die von ihnen erfahrenen Symptome seien alle in „in ihrem Kopf“ und es gäbe keine evidenten physischen Ursachen für ihre Schmerzen. Doch dank neuerer Forschung wird Fibromyalgie nun als sehr reelle und potentiell zur Invalidität führende Erkrankung wahrgenommen.

Heute gibt es einen zunehmenden Konsens in der medizinischen Gemeinschaft, dass Fibromyalgie von einer fehlerhaften Verarbeitung von Schmerzsignalen im Gehirn und Rückenmark verursacht wird, wodurch Patienten Schmerzempfindungen intensiver wahrnehmen.

Was diese fehlerhafte Verarbeitung der Signale verursacht, ist allerdings nicht klar. Fibromyalgie-Symptome können manchmal nach einem physischen Trauma, einer Operation, einer Infektion oder erheblichem physischem Stress auftreten. Die Symptome können sich zudem allmählich und ohne einen erkennbaren Auslöser aufbauen.

Die Wahrscheinlichkeit an Fibromyalgie zu erkranken ist für Frauen bis zu 6-mal höher als für Männer. Es gibt zudem einige Hinweise, dass Fibromyalgie genetisch bedingt sein könnte. Verwandte eines Patienten mit dieser Krankheit gelten als stärker gefährdet selbst an Fibromyalgie zu erkranken.

Außerdem hält man Stress für einen beschleunigenden Faktor für die Entwicklung von Fibromyalgie. Sie kann nämlich auch mit anderen stressbedingten Erkrankungen in Verbindung stehen, wie dem chronischen Müdigkeitssymptom, der posttraumatischen Belastungsstörung, dem Reizdarmsyndrom und vielem mehr. Sie wird zudem häufig mit Depressionen in Verbindung gebracht, auch wenn die genaue Beziehung dieser beiden Leiden arg umstritten ist.

DIE SYMPTOME VON FIBROMYALGIE

Patienten schreiben Fibromyalgie im Allgemeinen die Verursachung von stechenden Schmerzen zu, die am ganzen Körper auftreten können. Andere Symptome der Krankheit umfassen:

  • Außer Gefecht setzende Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Muskelkrämpfe, vor allem in den Beinen
  • Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Probleme mit Konzentration und Gedächtnis
  • Druckschmerzhafte Stellen am ganzen Körper, die bei Berührung extreme Schmerzen verursachen
  • Muskelzuckungen
  • Probleme beim Urinieren
  • Übelkeit

DIAGNOSE VON FIBROMYALGIE

Um eine Fibromyalgie zu diagnostizieren, mussten Patienten in der Vergangenheit an zumindest 11 der 18 möglichen druckschmerzhaften Stellen Empfindsamkeit zeigen und weit verbreitete Schmerzen in allen 4 Quadranten des Körpers erfahren haben. Allerdings haben sich die Diagnosekriterien seitdem verändert.

Heutzutage kann ein Patient mit Fibromyalgie diagnostiziert werden, nachdem er mindestens über 3 Monate hinweg weit verbreitete Schmerzen erfahren hat, ohne dass eine anderes Leiden dafür verantwortlich sein könnte.

Abgesehen davon wollen Ärzte vor einer Fibromyalgie-Diagnose zunächst andere mögliche Erkrankungen ausschließen. Dies kann im Allgemeinen durch einen Bluttest gewährleistet werden, der auf Folgendes untersucht wird:

  • Blutstatus
  • Blutsenkungsreaktion
  • Zyklische citrullinierte Peptide-Test
  • Rheumafaktor
  • Schilddrüsenfunktion

DIE EMOTIONALE BELASTUNG DURCH FIBROMYALGIE

Es ist wichtig zu bedenken, dass Fibromyalgie noch viel mehr nach sich zieht, als nur die Verursachung weit verbreiteter Schmerzen.

Ein häufiges Symptom der Fibromyalgie ist die kognitive Dysfunktion, die charakterisiert werden kann durch:

  • Beeinträchtigte Konzentration
  • Probleme mit dem Kurz- und Langzeitgedächtnis
  • Kurzzeitige Gedächtniskonsolidierung
  • Verlangsamte Leistungsfähigkeit
  • Schwierigkeiten beim Multitasking
  • Verminderte Aufmerksamkeitsspanne

Die kognitive Dysfunktion kann eine erhebliche Beeinträchtigung des Alltags des Patienten bedeuten und oftmals seine Fähigkeiten einschränken, mit der Arbeit oder Aufgaben in der Familie zurande zu kommen. Dies kann sich wiederum auf die Stimmung einer Person auswirken und ernsthafte mentale Erkrankungen wie Angstzustände oder Depressionen auslösen.

In der Tat werden sowohl Angstzustände als auch Depressionen oftmals mit Fibromyalgie assoziiert und häufig durch den Stress ausgelöst, der durch den täglichen Umgang mit der Erkrankung entsteht.

WIE WIRD FIBROMYALGIE BEHANDELT?

Es gibt weder ein Heilmittel für Fibromyalgie, noch eine universell akzeptierte Behandlungsmethode. Wie bei vielen komplexen Erkrankungen kann die Art, wie ein Patient Fibromyalgie erfährt, variieren und deshalb müssen Behandlungspläne individuell auf den Patienten zugeschnitten werden.

Die Behandlung beinhaltet normalerweise sowohl verschreibungspflichtige Medikamente als auch Therapien wie Verhaltensintervention und Bewegungstherapien.

Die für die Behandlung von Fibromyalgie am häufigsten eingesetzten Arzneimittel:

  • Schmerzmittel werden verwendet, um die schmerzhaften Symptome der Krankheit zu lindern, und zwar sowohl freiverkäufliche als auch verschreibungspflichtige Schmerzmittel.
  • Außerdem werden Antidepressiva eingesetzt, um gegen Schmerzen und Müdigkeit vorzugehen. Zudem können Muskelentspannungsmittel bei Schlafproblemen helfen.
  • Antikonvulsiva können bei der Behandlung von Fibromyalgie eingesetzt werden, um Schmerzen zu lindern.

Physiotherapie, Ergotherapie und Lebenshilfe sind für die Behandlung von Fibromyalgie eingesetzte Therapiearten. Manche Patienten wenden sich auch alternativen Therapien zu, wie Akupunktur, Massagetherapie, sowie Yoga und Tai Chi.

CANNABIS UND FIBROMYALGIE

Cannabis und auf Cannabis basierende Medikamenten wurden aufgrund ihrer Fähigkeit, Symptome wie Schmerzen, Schlafstörungen, Übelkeit und vieles mehr zu lindern, viel Aufmerksamkeit zuteil. Führt man sich vor Augen, dass es sich hierbei um mit Fibromyalgie assoziierte Medikamente handelt, dann scheint Cannabis eine effektive Behandlungsmethode für Fibromyalgiepatienten zu sein.

In der Tat wurde im Jahr 2014 bei einer Befragung von 1.300 Patienten mit dieser Krankheit durch den US National Pain Report, medizinisches Marihuana als effektivstes Medikament für die Behandlung von Fibromyalgie-Symptomen eingeschätzt. Es ließ alle von der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) zugelassenen Arzneimittel für die Behandlung dieser Krankheit hinter sich.

Die Teilnehmer wurden gebeten, die Medikamente bei der Behandlung ihrer Symptome als entweder „sehr wirksam“, „leicht wirksam“ oder „überhaupt nicht wirksam“ einzustufen. Die 3 von der FDA zugelassenen Arzneimittel (Cymbalta, Lyrica und Savella) wurden lediglich von 9% der Patienten als sehr wirksam eingestuft. Cannabis hingegen wurde von 62% aller Befragten, die es probiert hatten, als sehr wirksam ausgewiesen.

Die Umfrageteilnehmer erwähnten, dass Cannabis sich sowohl wirksam bei der Linderung der mit dem Leiden assoziierten körperlichen als auch mentalen Symptome zeigte. Einige verlautbarten allerdings, dass die Wirkung von Cannabis nicht lange anhielt und sie sich nach dem Konsum „benebelt“ fühlten.

Allerdings sind die Nachweise für Cannabis als Behandlungsmethode von Fibromyalgie nicht rein anekdotisch. Es gibt einen wachsenden Korpus an empirischen Nachweisen aus Laborstudien und klinischen Tests, die diese Erkenntnisse untermauern.

Fibromyalgie äußert sich durch weit verbreitete Schmerzen. Cannabis wurde als sehr effektives Schmerzmittel erkannt. Im Jahr 1997 wurde in einer Studie des European Journal of Pharmacology herausgefunden, dass das Endocannabinoid-System aktiv an der Bewältigung von Schmerzen beteiligt ist. Seitdem wurde in mehreren Studien festgestellt, dass bestimmte Stoffe in Cannabis bei der Linderung von Schmerzen effektiv helfen können.

Die wesentlichen an der Schmerzbewältigung beteiligten Cannabinoide sind THC und CBD, es könnten jedoch auch noch andere daran beteiligt sein. Es wird angenommen, dass diese Verbindungen helfen, Schmerzsignale im Gehirn und im zentralen Nervensystem zu unterdrücken, sobald sie in den Körper gelangen. Wie sie das bewerkstelligen ist kompliziert und noch nicht ganz klar.

Cannabis hat sich außerdem als effektive Schlafhilfe erwiesen. Zum Beispiel hat eine Abhandlung aus dem Jahr 2010, die im Canadian Medical Association Journal veröffentlicht wurde, herausgefunden, dass gerauchtes Cannabis bei der Verbesserung des Schlafs und der Linderung schmerzhafter Symptome bei Patienten mit posttraumatischen oder postoperativen neuropathischen Schmerzen effektiv half.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine einzelne Inhalation von 25mg Cannabis mit 9,4% THC (fünf Tage lang, dreimal täglich), die Intensität von Schmerzen reduzierte, den Schlaf verbesserte und von den Probanden gut vertragen wurde.

Die Eigenschaft von Cannabis, Schmerzen und Schlafstörungen zu lindern, kann deshalb als effektive Methode der Behandlung von durch Fibromyalgie ausgelöste Schmerzen und Schlafstörungen eingesetzt werden.

Darüber hinaus können Patienten mit dieser Krankheit auch unter Übelkeit leiden (entweder aufgrund der Krankheit selbst oder wegen möglichen Nebenwirkungen der Medikamente). Cannabis hat sich als hilfreich bei Übelkeit und Erbrechen erwiesen, die durch Chemotherapie verursacht werden. Deshalb könnte es sich für Fibromyalgiepatienten auch als effektive Behandlung dieser Symptome qualifizieren.

CANNABIS, FIBROMYALGIE UND DIE ZUKUNFT

Es gibt überzeugende Beweise, dass medizinisches Marihuana Fibromyalgiepatienten helfen kann, bei Symptomen wie Schmerzen, Insomnie oder anderen Schlafstörungen und Übelkeit Linderung zu verschaffen.

Es gilt allerdings festzuhalten, dass Cannabis diese Krankheit nicht heilen kann. Es kann stattdessen jedoch die von der Krankheit verursachten Symptome abschwächen.

In vielen Teilen der USA ist Fibromyalgie eine qualifizierende Krankheit für verschiedene medizinisches Cannabis-Programme. Dazu gehören:

  • Arkansas
  • Illinois
  • North Dakota
  • Ohio

Chronische Schmerzen sind ein qualifizierendes Leiden in vielen weiteren Bundesstaaten, darunter Alaska, Arizona, Kalifornien, Colorado, Delaware und viele mehr. Außerhalb der USA ist medizinisches Cannabis bis zu einem gewissen Ausmaß in Ländern wie Chile, Kanada, Australien, Argentinien, Kroatien und anderen legal.

Um herauszufinden, wie Du Zugang zu medizinischem Marihuana in Deiner Gegend bekommst, wende Dich an Deine örtlichen Behörden.

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