Medizinisches Marihuana und Morbus Crohn

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Morbus Crohn ist eine schwere Form von entzündlicher Darmkrankheit, die bis zu 600.000 Menschen in Nordamerika und viele mehr auf der ganzen Welt betrifft. Die Krankheit ist charakterisiert durch chronische Entzündungen des Verdauungstraktes und eine Vielzahl von Symptomen, zu denen Übelkeit, Erbrechen, häufiger Durchfall, Magenschmerzen und viele weitere gehören.

Da die Erforschung von medizinischem Marihuana Fortschritte macht, fand man auch Hinweise darauf, dass Cannabis dazu beitragen kann, die durch Morbus Crohn verursachten Entzündungen zu lindern und einige der Krankheitssymptome zu verringern.

MORBUS CROHN VERSTEHEN

Im Gegensatz zu anderen entzündlichen Darmerkrankungen verursacht Crohn ausgedehnte Entzündungen, die den gesamten Verdauungstrakt beeinflussen können. Diese Entzündungen dringen gewöhnlich tief in das Darmgewebe ein und erzeugen eine Vielzahl von Symptomen.

Morbus Crohn wird durch eine Fehlfunktion des Immunsystems verursacht, die mit dem Angriff auf gesundes Gewebe im Verdauungstrakt beginnt und letztlich die genannten Entzündungen verursacht. Was diese Immunschwäche auslöst ist nicht klar, aber forschende Mediziner behaupten, dass sie auf Umwelteinflüsse und genetische Faktoren zurückzuführen sein könnte, ebenso wie auf bakterielle Ungleichgewichte im Darm.

WIE SEHEN DIE SYMPTOME VON MORBUS CROHN AUS?

Die Symptome variieren von Patient zu Patient und je nach der Schwere der Erkrankung. Allerdings treten einige Symptome gehäuft auf:

  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Starker Durchfall
  • Chronische Müdigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Häufiger und unvorhersehbarer Stuhlgang
  • Appetitverlust

Einige Patienten können auch grippeähnliche Symptome entwickeln, einschließlich Fieber und Nachtschweiß. Viele Patienten erleben Zeiten des „Aufflackerns“ der Krankheit, die durch besonders schwere Symptomen gekennzeichnet sind, gefolgt von Perioden der Remission mit wenigen bis gar keinen Symptomen.

Was Morbus Crohn von anderen Arten entzündlicher Darmerkrankungen wirklich unterscheidet, sind die großen entzündeten Bereiche, die sich im gesamten Verdauungstrakt finden. Die Krankheit kann auch zu Geschwüren und Verdickungen der Darmwand führen, was die Passage der verdauten Nahrung durch den Darm erschweren kann.

Morbus Crohn und andere Arten entzündlicher Darmerkrankungen können auch Entzündungen in anderen Teilen des Körpers verursachen, einschließlich der Augen, Haut, Leber und Gelenke. Bei schweren Krankheitsverläufen kann Morbus Crohn so tiefe Geschwüre auslösen, dass sie durch die Wände des Verdauungstraktes brechen können. Dies geschieht normalerweise im Darm und verursacht eine Infektion außerhalb des Darms, die sich auch leicht in andere Körperregionen ausdehnen kann.

Es ist wichtig zu erkennen, dass Morbus Crohn eine lähmende und schwächende Krankheit sein kann, was weit über die oben aufgeführten körperlichen Symptome hinausgeht. Ständig mit diesen chronischen Symptomen konfrontiert zu sein und sie mit den Verpflichtungen des täglichen Lebens in Einklang bringen zu müssen, kann Patienten vor große Probleme stellen.

Die Symptome von Morbus Crohn sind in der Regel so schwerwiegend, dass sie das Leben der Betroffenen zuhause, am Arbeitsplatz und in der Schule beeinträchtigen, sowie ihre Beziehungen zu Freunden, Familie und geliebten Menschen überschatten.

Wie es bei den Patienten, die von chronischen Erkrankungen betroffen sind, oftmals der Fall ist, besteht für Morbus-Crohn-Patienten als Folge der Krankheit ein erhöhtes Risiko, auch psychisch zu erkranken, was die Ausbildung von Angststörungen, Depressionen und Ähnlichem umfasst.

DIE BEHANDLUNG VON MORBUS CROHN

Die Behandlung von Morbus Crohn besteht generell darin, die Schwere der Symptome zu reduzieren, da es bisher keine Möglichkeit der Heilung gibt.

Morbus Crohn wird in der Regel mit entzündungshemmenden und anderen Medikamenten behandelt. Dabei handelt es sich in der Regel um folgende:

  • Kortikosteroide und Immunsuppressiva: Generell eingesetzt, um Entzündungen im gesamten Verdauungstrakt zu beherrschen.
  • Biologica: Setzen Antikörper ein, um die Effekte der Teile des Immunsystems zu blockieren, die für die Entzündung verantwortlich sind.

Irgendwann müssen die meisten Patienten operiert werden, um Teile des entzündeten Verdauungstraktes zu entfernen. Eine veränderte Ernährung stellt ebenso einen wichtigen Teil des Umgangs mit der Krankheit dar und man ermutigt die Patienten, eine ausgewogene Ernährung anzunehmen und insbesondere solche Lebensmittel zu meiden, die ihre Symptome verschlimmern können.

MEDIZINISCHES MARIHUANA UND MORBUS CROHN

Es liegen leider nicht viele Untersuchungen darüber vor, wie medizinisches Marihuana Patienten mit Morbus Crohn helfen könnte. Es gibt lediglich einige Studien über den allgemeinen Zusammenhang von Cannabis und entzündlichen Darmerkrankungen, die in der Regel an Tieren oder menschlichem Gewebe aus Biopsien durchgeführt wurden. Allerdings hat schon diese begrenzte Forschung in diesem Bereich einige vielversprechende Ergebnisse geliefert.

Man fand heraus, dass manche Cannabinoide eine entzündungshemmende Wirkung besitzen, was insbesondere für Patienten mit Morbus Crohn entscheidend ist, da chronische Entzündungen für diese Erkrankung charakteristisch sind. Die wichtigsten auf diesem Gebiet in der jüngsten Forschung untersuchten Cannabinoide waren THC und CBD.

Im Jahr 2010 stellte eine im „British Journal of Pharmacology“ veröffentlichte Studie fest, dass THC bei der Behandlung von Darmentzündungen bei Ratten im Vergleich zu CBD und Sulphasalazin (einem seit langem eingesetzten entzündungshemmenden Medikament) am effektivsten wirkte.

Man fand also heraus, dass THC bei der Bekämpfung der Entzündung bei Ratten wirksamer war, als Sulphasalazin und CBD. Tatsächlich ergab sich, dass CBD für sich genommen bei der Behandlung der Entzündung keinerlei Wirkung entfaltete, aber die Wirksamkeit von THC steigern konnte, falls beide Cannabinoide gemeinsam eingesetzt wurden. Ebenso fand man heraus, dass THC die cholinergen Nerven der Ratten schützen konnte, wozu weder CBD, noch Sulphasalazin in der Lage waren.

Im Jahr 2011 sahen sich Forscher an der Abteilung für experimentelle Pharmakologie an der Universität von Neapel, Italien, genauer an, wie CBD bei der Behandlung von Morbus Crohn helfen könnte. Sie fanden heraus, dass die Verabreichung von CBD bereits bestehende Entzündungen reduziert bzw. verhindert, dass Entzündungen überhaupt auftreten.

Im Jahr 2013 schließlich untersuchten Wissenschaftler am Meir Medical Center in Israel in einer weiterführenden Studie die Auswirkungen von Cannabis auf Morbus Crohn. Die Studie umfasste 21 Patienten mit schwerem Morbus Crohn, von denen 11 über 8 Wochen lang täglich zwei Cannabisjoints rauchten, während die restlichen 10 ein Placebo erhielten.

Von den 11 Patienten, die Cannabis nahmen, erlebten 5 eine Remission. Sie berichteten ebenso über verbesserten Appetit und erholsamere Schlafmuster. Bei 10 der 11 Patienten in der Testgruppe wurden klinische Reaktionen festgestellt.

Die Forscher folgerten, dass „THC-reiches Cannabis für die 11 Patienten mit aktivem Morbus Crohn – im Unterschied zur Placebokontrollgruppe – signifikante klinische, steroidfreie Nutzen ohne Nebenwirkungen produziert“.

Obwohl die Forscher nicht bereit waren, ihre Studie als vollständigen Erfolg einzustufen, zogen sie den Schluss, dass weitere Forschung mit größeren Patientengruppen und anderen Einnahmemethoden außer dem Rauchen gerechtfertigt seien.

CANNABIS UND MORBUS CROHN: MEHR FORSCHUNG ERFORDERLICH

Wie es oft der Fall ist, lassen sich derzeit noch keine endgültigen Schlussfolgerungen darüber ziehen, wie medizinisches Marihuana dabei helfen kann, die Symptome von Morbus Crohn zu behandeln bzw. zu beherrschen. Allerdings fallen die Ergebnisse der vorläufigen Forschung vielversprechend aus.

Zudem konnte gezeigt werden, dass Cannabis eine Vielzahl von anderen Symptomen lindern kann, die nicht nur für Morbus Crohn typisch sind. Dazu gehören Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen, Appetitverlust, Müdigkeit, Stress, Angst und vieles mehr.

In dem Maße, in dem die Forschung zu medizinischem Marihuana voranschreitet, werden wir hoffentlich noch eindeutigere Belege dafür erhalten, wie es dabei helfen kann, mit Morbus Crohn und anderen Erkrankungen besser zu leben.

Hinweis: Wir haben die allergrößte Sorgfalt und Vorsicht walten lassen, während wir diese Artikel geschrieben haben. Beachte bitte gleichwohl die Tatsache, dass wir in keinster Weise Ärzte sind. Cannabis.info ist grundsätzlich eine Nachrichten- und Informations-Webseite. Dieser Inhalt zielt nicht darauf ab, ein Ersatz für professionellen medizinischen Rat, eine Diagnose oder Behandlung zu sein.

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